Was sind eigentlich Quad´s und ATV´s?

 

Es sind vierrädrige Kraftfahrzeuge, auf der, der Fahrer bzw. Beifahrer wie auf einem Motorrad auf einer Sitzbank sitzt. Es besitzt eine Lenkstange. An dieser Lenkstange sind rechts, die Bremse für vorne und das "Daumengas" angebracht. Bei einigen Modellen ist rechts auch die Bedieneinheit für einen Allradantrieb. Links sind meist die Bedieneinheiten für Blinker, Licht, Hupe und Anlasser sowie eine Hinterradbremse oder Kupplung.

In Deutschland wird im Sprachgebrauch zwischen Quad und ATV unterschieden.

Quad´s sind mehr die sportliche Variante. Die Kraft wird über eine Kette auf starre Hinterachse übertragen. Es gibt Fahrzeuge mit Schaltgetriebe aber auch mit Variomatik. Bei vielen Quad´s mit Schaltgetriebe fehlt der Rückwärtsgang. Die Hubraumgrößen reichen von 50 ccm bis 1000 ccm. Die Höchstgeschwindigkeit kann je nach Leistung bis zu 190 km/h und darüber liegen.

ATV´s sind die Arbeitstiere. Meist verfügen sie über Allrad mit Differenzialsperren , Getriebeuntersetzungen, Gepäckträger vorne und hinten und grobe Stollenreifen für eine bessere Traktion im Gelände. Der Antrieb erfolgt meist über Kardan auf die hinter bzw. Vorderachse (Allrad). Die meisten ATV´s besitzen eine Variomatik. ATV´s haben einen Rückwärtsgang. Die Hubraumgrößen reichen von 250 ccm bis 1000 ccm. Dadurch das ATV´s auf Kraft ausgelegt sind, ist ihre Höchstgeschwindigkeit je nach Hubraum bis zu 140 km/h.

Quad´s und ATV´s werden von den Herstellern meist nur gedrosselt (15 KW ~ 21 PS) ausgeliefert. Bei einem Händler wird das Fahrzeug entdrosselt und Umgebaut.


Umbau von Fahrzeugen ab 400 ccm:

Das ein Fahrzeug ab 400 ccm mit voller Leistung zugelassen werden kann, müssen einige Umbauarbeitend durchgeführt werden. Ab dieser Hubraumgröße ist es Sinnvoll.

  1. Es müssen zwei Scheinwerfer mit Standlicht, Abblendlicht und Fernlicht angebaut werden.
  2. Blinker vorne und hinten.
  3. Nebelschlussleuchte am Heck.
  4. Zwei Rücklichter mit Bremslicht.
  5. Mechanische Feststellbremse einbauen (falls nicht vorhanden)
  6. Eine Anhängevorrichtung (Kugelkopfkupplung) mit dazugehöriger Elektrik.
  7. Entdrosselung.
  8. Zum TÜV und eine Einzelabnahme machen. 

Zulassung in Deutschland:

Es gibt zwei verschiedene Zulassungsarten für diese Fahrzeuge:

VKP (Vierrädriges Kraftfahrzeug zur Personenbeförderung)

Diese Zulassungsart ist für Fahrzeuge bis zu einer Leistung von  15 KW ~ 21 PS sinnvoll. Die Steuer beträgt (Stand 2010) ca. 21.- €uro pro angefangene 100 ccm.

LoF (Landwirtschaftlich oder Forstwirtschaftliche Zugmaschine)

Diese Zulassung ist für Fahrzeuge mit offener Leistung über 15 KW ~ 21 PS. In Quad und ATV kreisen auch "Ackerschlepper" Zulassung genannt. Hier beträt die Steuer (Stand Dezember 2012) 11.- €uro pro angefangene 200 kg Gesamtmasse.

Quad´s bis 50 ccm Hubraum benötigen nur ein Versicherungskennzeichen. Diese Fahrzeuge dürfen max. 45 km/h im öffentlichen Straßenverkehr fahren.

Versicherung:

Es gibt Versicherungen die extra Quad und ATV Tarife anbieten. Bei einigen Versicherungen werden die Fahrzeuge als "Ackerschlepper" versichert bei anderen als PKW oder Motorrad. Wichtig ist, sich bei einigen Versicherungen schlau zu machen, es gibt große Unterschiede im Tarif und somit in der Prämie die bezahlt werden muss.

Eine Teilkaskoversicherung sollte mit abgeschlossen werden.


Führerschein:

Zum Bewegen der Fahrzeuge mit über 50 ccm im öffentlichen Straßenverkehr, benötigt der Fahrer die Führerscheinklasse "B" (alt 3). Er muss 18 Jahre alt sein. Begleitendes fahren mit 17 Jahren ist nicht möglich.

Für Fahrzeuge bis 50 ccm Hubraum und Max. 4 KW ~ 5,44 PS benötigt der Fahrer die Führerscheinklasse "AM (Ab 19.01.2013)" und darf ab 16 Jahren fahren.


Was muss mit:

Mitzuführen sind in allen Quad´s und ATV´s ein Verbandskasten für PKW und ein Warndreieck. Ein Verbandskissen für Motorräder ist nicht zulässig. Es sollte auch eine Warnweste (Pflicht in Österreich und Italien) nach EU Norm mitgeführt werden.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht Helmpflicht für Quad und ATV.

In Österreich benötigt man für diese Fahrzeuge eine PKW Vignette wenn man die Autobahnen nützen möchte. Diese muss mitgeführt werden. Sollte Bauart bedingt ein Windschild am Fahrzeug angebracht sein, muss diese am Windschild aufgeklebt werden.


Umweltzone in München:

Zitat Internetauftritt der Landeshauptstadt München:

Das Schreibt die Polizei München dazu:

Unter Nummer 8. Benötigen Quad / Trike Fahrzeuge auch eine Plakette? 

**Ob eine Plakette benötigt wird hängt von der Art der Zulassung ab. Die meisten Quads und Trikes sind als "Motorrad" zugelassen und damit von der Verordnung ausgenommen; d.h. sie können die Umweltzonen befahren. Das Gleiche gilt für Zulassungen als land- und forstwirtschaftliche (lof) Zugmaschinen. Quads und Trikes mit einer PKW-Zulassung sind jedoch von der Verordnung betroffen. Für die Zuteilung der Plakette ist die Schadstoffverschlüsselung (Stelle 5 u.6 der Schlüsselnummer zu 1 im alten Fahrzeugschein bzw. Feld 14.1 in der Zulassungsbescheinigung Teil 1) ausschlaggebend.**

Für die Hardliner ist der Original Gesetzestext hier zu Lesen.

Es heißt also im Klartext:

Ein Quad oder ATV mit LoF Zulassung darf ohne weiteres in die Umweltzone München einfahren.

Fahrzeuge mit PKW (VKP) Zulassung dürfen nicht in die Umweltzone einfahren.


Winterreifenpflicht bei Quad´s und ATV´S

Für Fahrzeuge mit VKP Zulassung gilt eine Winterreifenpflicht. Diese Reifen müssen neben der "E" Kennzeichnung auch die Merkmale für Winterreifen haben. (Schneeflocke mit Berg bzw. Schriftzug "M+S")

Fahrzeuge mit LoF Zulassung sind unter gewissen Vorraussetzungen von dieser Winterreifenpflicht befreit.

Für die Befreiung ist wichtig, dass es für die im Fahrzeugschen eingetragenen Reifendimensionen, keine Winterreifen im Handel gibt. In diesem Fall, dürfen grobstollige Reifen gefahren werden, die außer der "E" Kennzeichnung keine weiteren Merkmale für Winterreifen haben. Beispiel Suzuki King Quad: Reifen vorne: AT25X8-12" ~ 185/88-12" / Reifen hinten: AT25X10-12" ~ 255/65-12". Die Reifenbreite (185 und 255) würde es schon geben, aber nicht für 12 Zoll Felgen. Somit kann dieses Fahrzeug mit grobstolligen Reifen im Winter gefahren werden.

Auszug StVO §2 Absatz 3a Straßennutzung durch Fahrzeuge:

(3a) Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, welche die in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31. März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage (ABl. L 129 vom 14.5.1992, S. 95), die zuletzt durch die Richtlinie 2005/11/EG (ABl. L 46 vom 17.2.2005, S. 42) geändert worden ist, beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S-Reifen). Kraftfahrzeuge der Klassen M2, M3, N2 und N3 gemäß Anlage XXIX der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. September 1988 (BGBl. I S. 1793), die zuletzt durch Artikel 3 der Verordnung vom 21. April 2009 (BGBl. I S. 872) geändert worden ist, dürfen bei solchen Wetterverhältnissen auch gefahren werden, wenn an den Rädern der Antriebsachsen M+S-Reifen angebracht sind. 

Satz 1 gilt nicht für Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft (LoF) sowie für Einsatzfahrzeuge der in § 35 Absatz 1 genannten Organisationen, soweit für diese Fahrzeuge bauartbedingt keine M+S-Reifen verfügbar sind............

Quelle: Gesetze im Intenet

 


Daumengas:

Es handelt sich hier um den Gaszug. Dieser ist bei Quad´s und ATV´s mit dem rechten Daumen zu bedienen. 

Warum Daumengas?

Diese Art von Gashebel hat den Vorteil im Gelände gleichmäßig zu fahren. Auch bringt es den Vorteil in Kurven. Es ist nicht möglich, wegen der anderen Lenkbewegung als bei einem Motorrad, versehentlich Vollgas zu geben.

Es besteht die Möglichkeit es auf Drehgas oder "Dualgas" umzubauen.

Dualgas:

Hier handelt es sich um einen kombinierten Gaszug. Es kann Wahlweise mit Drehgas oder mit Daumengas gefahren werden.


Wartung und Verbrauch:

Je nach Hersteller und Fahrzeugtyp sind die Wartungsintervalle zwischen 2500 km und 5000 km.

Benzinverbrauch bei Quad zwischen 5 Liter (250 ccm) und 9 Liter (750 ccm).

Benzinverbrauch bei ATV´s zwischen 7 Liter (450 ccm) und bis zu 14 Liter (750 ccm)

Verbrauch liegt ist bei ATV´s höher als bei Quad´s. Dies resultiert aus dem Allradantrieb und Stollenreifen der ATV´s. 


Fahrdynamik:

Das Fahrverhalten von Quad´s und ATV´s sind mit einem Buggy vergleichbar. Die Fahrzeuge neigen in Kurven zum kippen. Man muss sich natürlich auch in die Kurve "legen", in dem man vom Sitz, leicht in die Kurveninnenseite rutscht. Es darf aber nicht zuviel sein, sonst verliert man die Haftung der Hinterräder.

Ebenfalls gefährlich sind die Spurrillen in den Straßen. Wegen der geringen Spurbreite der Fahrzeuge "eiert" man zwischen den Rillen hin und her. Dies ist bei höherer Geschwindigkeit gefährlich.

Der Bremsweg sollte auch länger eingerechnet werden als wie beim PKW.


Wir werden oft gefragt, wo man(n (Frau) in und um München legal in einem Gelände fahren kann. Leider gibt es in und um München keine Möglichkeit, legal diese Fahrzeuge "Art gerecht" zu halten. 

Unerlaubt in z.B. privaten Kiesgruben fahren, auch wenn keine Absperrung vorhanden sein sollte, kann sehr Teuer werden (Hausfriedensbruch bzw. Landfriedensbruch). Ebenso unberechtigtes befahren von Land oder Forstwirtschaftlichen Feld- und Waldwegen. 

Es gibt aber einen Offroadpark in Langenaltheim. Dort kann man zu gewissen Zeiten, sein Fahrzeug in verschiedenen Terrains bewegen.


Fazit:

Es verbindet zwar alle Nachteile von PKW und Motorrad, Quad und ATV fahren macht aber bei "normaler" Fahrweise wahnsinnigen Spaß.


Text: Helmut Petz (Chopper)

**Text mit freundlicher Genehmigung des Polizeipräsidium München

© Muenchner-Quad-Bande.de 2007-2014